STANMER

war ein Dreimast-Segler, 1817 vom Stapel gelaufen in Flushing bei Falmouth. Das Schiff gehörte Robert Shuttleworth Sutton, Kapitän beim Falmouth Packet Service. Dieses Unternehmen unterhielt mehrere Dutzend Schiffe seit ca. 1750, die von England aus die englischen Stützpunkte und Häfen im Süd- und Nordatlantik anfuhren. Sie transportierten Post, Fracht und Menschen zwischen der alten Welt Europa und der neuen Welt Amerika.

Viele Auswanderer machten sich auch auf diesen Schiffen "mit einem Koffer voller Hoffung" auf den Weg in die neue Welt - ohne zu wissen, ob sie das Ziel jemals erreichen würden und was sie dort erwartete.

Die überfahrt erforderte Mut, oftmals den mut der verzweiflung, weil es in der alten welt europas so schwierig geworden war mit den vielen kriegen, der armut, dem mangel und den machthungrigen eliten. Und diese überfahrten waren auch gefährlich. So mancher war den ganz erheblichen belastungen durch seegang, wetter und den umständen an bord nicht gewachsen. Auch nicht jedes schiff erreichte den zielhafen, oft mußten abenteuerliche umwege gefahren werden.

 

Bild 1.1  /  So etwa dürfte die STANMER ausgesehen haben. Das gezeigte Schiff, die "Walsingham" hatte ähnliche Abmessungen und entsprach der Norm der Standard Packets, gebaut 1795, Gewicht: 185 Tonnen. Die stanmer war jedoch 18 Jahre später gebaut und vermutlich in etlichen Details moderner und vor allem für Passagiere und Besatzung wesentlich komfortabler.

Bildquelle: National Maritime Museum Cornwall    Künstler: Nicolas Cammillieri   gemalt: 1795

 

Das Schiff fuhr regelmässig auf den Routen zwischen Falmouth in Südengland und Rio de Janeiro/New York/Halifax, später auch die kurze Route zwischen Falmouth und Lissabon. Die Fahrt nach Amerika hin und zurück dauerte 4 Monate. Die Route Falmouth - Lissabon und zurück schafften die Segler in 2 Wochen.

Captain Sutton, geboren 1779 als Sohn eines Crosschannel captains, begann seine Karriere 1804 als junger Kapitän im Alter von 23 Jahren und hatte bis 1815 das Kommando über den Dreimaster WINDSOR CASTLE, danach noch für 2 Jahre über das Schiff Hinchinbrook.

1815 ließ er mit finanzieller Beteiligung einiger Partner sein eigenes Schiff in der Werft bei Flushing/Falmouth bauen - die stanmer. Er befehligte sein Schiff von 1817 bis 1835, die gesamte Zeit ohne die sonst in der damaligen Seefahrt bekannten Probleme mit Piraten. 1836 ging er in den verdienten Ruhestand. Die STANMER wurde an eine portugiesische Fischereigesellschaft verkauft. Sutton starb 1842.

17 Jahre gutes Geld mit dem Schiff verdient und es dann verkauft - das ist ein sehr gutes unternehmerisches Ergebnis - großes Kompliment.

Sutton war ein sehr umsichtiger, unternehmerisch denkender Kapitän. Nur wenige seiner Kollegen hatten das Glück, den Ruhestand überhaupt zu erreichen und noch gesund einige Jahre zu Hause bei der Familie geniessen zu können.

Der Beruf des Kapitäns war sehr anstrengend und aufzehrend. Die rauhen Verhältnisse an Bord, schlechtes Essen, Stress, Verletzungen und monatelange Reisen unter solchen Verhältnissen sorgten dafür, dass die meisten der Kapitäne das Ruhestandsalter gar nicht erreichten. 

 

Bild 1.2. / Robert Shuttleworth Sutton, 1779 - 1842